Meinungen

Rudolf Messer
Claudia Roth fühlte sich an ein Theaterstück von Brecht erinnert:
Die Kleinbürgerhochzeit: Da werde das Enge, Spießige sehr gut beschrieben.
Diese Gier nach dem kleinen Vorteil in jeder Lebenslage. Die Haltung:
Bist du was, dann hast du was. Herr Wulff habe die politische und
moralische Autorität verloren, ihm fehlten Würde und Glaubwürdigkeit.
Das schade auch dem Ansehen Deutschlands (Morgenpost Online).
Bundespräsident Christian Wulff? Oder eher diejenigen, die ihn mit
Rücktrittsforderung konfrontieren, wie dies Kurt Beck, der rheinland-
pfälzische Ministerpräsident, getan hat. Ausgerechnet Kurt Beck, der
selbst von einer Verbindung zu Partykönig Manfred Schmidt profitierte
und umsonst zu seinem Fest flog. Nur eine Bagatelle? Nicht mit einer
Linienmaschine, nein, mit dem Privatjet reiste Beck an. Kosten: 3.927 Euro,
die Schmidt offenbar gerne übernahm. Noch am Morgen desselben Tags
hatte Beck Wulffs Rücktritt gefordert. Man solle, so der Ministerpräsident,
„mit Herrn Wulff sprechen und ihm die Situation im Interesse dieses
hohen Amtes und auch seiner eigenen Reputation deutlich machen".


Egger Alois
"Lobbyismus ist eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung
(Lobbying) für eine Form der Interessenvertretung in Politik und Gesellschaft.
Mittels Lobbyismus versuchen Interessengruppen (Lobbys), die Exekutive
und die Legislative zu beeinflussen, vor allem durch persönliche Kontakte",
so steht es in Wikipedia. In Österreich entsenden die Parteien ihre Interessens-
vertreter, also Lobbyisten, in den Nationalrat. Damit haben in Österreich die
Lobbyisten einen direkten Zugriff auf die Gesetzgebung bekommen. Diese
Personen haben sich die Gesetze auch schon immer in eigener Sache gemacht.
Bei dieser Sachlage ist es nur logisch, dass es keine Regierung für Österreich
und die Österreicher geben konnte. Es war dann eine Regierung und Gesetzgebung,
welche sich Österreich und die Österreicher für die eigenen Interessen untertan
gemacht hat.

 

 
Nikos Papadimitriou
Griechenland, ein Mekka für Sammler
Für Günter Verheugen und die anderen Brüsseler Architekten eine Einsicht,
lange bevor sich die Märkte Osteuropas geöffnet hatten: Deutschland ist wie
jedes Exportland auf Länder angewiesen, die seine Exportgüter importieren.
Wie nur, so fragte man sich in Brüssel, sollte dies mit Griechenland funktionieren?
Stand dieses Land doch auf so wackligen Füssen, dass es aus eigenen Kräften
kaum imstande war, zu einem Importeur solcher Güter zu werden. Das war die
Stunde der echten „Sammler". Ohne das nötige Kleingeld scheitert jeder
Konsument, spätestens an der Ladenkasse. Die Finanzierung musste dem
Einkauf vorausgehen, so folgerten die Sammler. Also mutierten sie zu
Finanzmaklern und suggerierten den griechischen Konsumenten den Einkauf
auf Pump. Woher aber das Geld für derlei Finanzierungen? Mühelos fanden
sich Banken, die sich bereitfanden, ihnen für solche Finanzgeschäfte die
Ersparnisse ihrer Kunden zu überlassen. Sie alle folgten dem Gebot der
Beschleunigung des Wachstums um jeden Preis und ließen den Rubel, hier
den Euro, nach Griechenland rollen. Über Konsequenzen sollten sich Andere
den Kopf zerbrechen, später einmal ...…
 

 
Christoph Reithberger
Die Krönung des Antriebs, lautlos und aus dem Auspuff strömt nur Wasserdampf.
In unseren Zeiten leider nur ein Traum! Diese Technik ist noch lange nichts für den
Massenmarkt. Wer weiß heute schon, wie der Wasserstoff ohne fossile Energien
gewonnen werden kann. Auch der Ausbau eines breit gestreuten Tankstellennetzes
bleibt vorläufig Wunschdenken. Bei der Weltumrundung seiner Brennstoffzellen-Autos
führte Daimler den Wasserstoff einfach in Begleitfahrzeugen mit. Alles Illusion,
denn wer wird später eine solche mobile Wasserstoff-Tankstelle zur Hand haben?
 

Michael Marek
Glaubt da jemand, ein Makler verdient sein Geld im Handumdrehen? Bei jeder
Gelegenheit, Auge in Auge mit jedem auch noch so unterbelichteten Charakter,
mit einem Kaufobjekt, das ich noch nicht einmal meiner Schwiegermutter andrehen
würde, und mit einem feuchtwarmen Händedruck und einem fast so warmen Glas
Champagner an den Lippen, alles in allem ein doch recht hart verdienter Lohn
des Makelns.


Maria Kofler
Es muss ja nicht der Eulenspiegel sein, ein ganz einfacher Spiegel tut es auch.
Er betrachtet sich und wartet auf meinen Zuspruch. Wenn schon nicht
Anerkennung, dann doch wenigstens Verständnis. Schon das leiseste
Schulterklopfen baut ihn wieder auf. Holt ihn zurück von Selbstzweifeln und
Hader. Ist das nicht eine ehrenwerte Aufgabe, die mir da zufällt? Gibt es eine
bessere Gelegenheit, diesem verunsicherten Menschen eine bunt verpackte Lösung
für gutes Geld zu verkaufen? Das baut dann auch mich wieder auf, nachdem ich
Stunden auf so einen Kunden warten musste, wie ein Angler auf seinen Fisch.


Susanne Stäheli
Der Herr hört längst nicht auf Jedermann. Sein Ohr zu finden, und sein
Vertrauen, unkritisches, irgendwann sogar blindes Vertrauen, was für ein
gigantischer Erfolg. Das ganze Handwerkszeug besteht aus nichts als Gespür, ja
Instinkt, verlässlicher als jedes Navigationsinstrument und, das sollte man
nicht übersehen, aus dem Geschick, so etwas diskret zu kommunizieren, besser
noch zu flüstern… Diese Kunst ist nur ganz wenigen vorbehalten und man sollte
sich hüten, dafür Werbung zu machen, wie dies Andere tun für Coaching etwa oder
für Mediation.


Adrian Gerber
Der gute Journalist produziert nicht nur Informationen, er verkauft sie auch,
er handelt mit ihr, er hat nicht viel zu verlieren, er kann nur gewinnen:
Interesse, Neugier, Anerkennung, Bekanntheit, Berühmtheit, Neid, Alles! Wohl
dem, den er in seinem Publicity Tross hinter sich her zieht; die Mitfahrer, die
Fans, überhaupt das ganze Netzwerk von Leuten, die jemanden kennen, die
wiederum jemanden kennen, die ihrerseits jemanden kennen …


Christine Aigner
Meine Sicht der Gefälligkeiten: Sprechen wir besser nicht über die Seele, die
sich hat kaufen lassen und aus dem Sumpf kaum mehr herausfindet. Sprechen wir
lieber vom Seelenkäufer! Manche sehnen sich nach der Zeit der Könige und ihren
Vasallen, Knechten und sonstigen Untertanen. Dieser König soll tot sein? Nein, auch
heute gibt es ihn noch, den König mit seinen Gesinnungsvasallen,
Gesinnungsknechten und sonstigen Gesinnungsuntertanen. Eine überaus große Gefälligkeit
in den Augen der Gekauften, in den Augen der Seelenkäufer jedoch eine
Gefälligkeit aus ihrer Portokasse. Im Gegenzug bedingungsloser Gehorsam auf
Lebenszeit, nur weil die gekaufte Seele nicht zur rechten Zeit den Absprung
geschafft hatte. Eulenspiegel, Du verkappter Mephisto …


Robert Aichinger
Warum denn nicht mit Öl pokern? Der Zweck heiligt die Mittel. Das gilt auch für
den Handel. Kein Handel ohne Umsatz! Kein Umsatz ohne Angebot! Kein Angebot
ohne Nachfrage! Und wenn die Leute nach Öl nachfragen, dann wäre ich doch dumm,
Brennholz anzubieten. Ich treibe den Handel mit dem, was die Kunden nachfragen.
Egal, ob das Billigtickets sind, Second Hand Ware, Ramsch, Schrott, etc.
Solange es keine Hehler Ware ist, oder Rauschgift, beides führe ich nicht im
Angebot, solange muss ich mir von diesen Idealisten keinen Rat gefallen lassen.


Urs von Wyl
Wohin mit diesem Tsunami des Schwerverkehrs? Von der Straße „huckepack“ auf die
Schiene? Oder von dort wieder zurück auf die Straße? Jeder möchte gern dabei
sein beim großen Geschäft durch die Alpen. Die armen Politiker werden
regelrecht übermannt von der Verkehrslobby. Sie kommen nicht wirklich zur Ruhe,
um sich einen besonnenen Weg der Transversale auszudenken. Wie im Taubenstall
geht es da zu und niemanden darf man hinausjagen, ohne „Bottom up Top down“
einen auf die Kappe zu bekommen. Was für ein Hundeleben als Politiker. Und dann
droht da noch der Show Down in Form eines Referendums, wo jeder einzelne
Bewohner der Alpentäler mit seinem Votum ins Gewicht fällt und alle
verständnisvolle Interessenwahrung der Lobby konterkariert. Ja, man möchte
heute nicht mehr wirklich Politiker sein.


Brigitte Komarek
So viel könnt Ihr Kunstfreaks mir für ein Bild gar nicht bezahlen, als dass ich
es bei einem einzigen Original beließe. Nein, wie viele Kopien ich davon
fertigen lasse und diese dann von meinem Künstler persönlich handsignieren
lasse und sodann als signiertes Original verkaufe, das ist meine künstlerische Freiheit.
Ihr müsst diese Kunstwerke ja nicht kaufen. Ich finde immer aufs Original
erpichte Käufer.


CARPE DIEM !

Allen, die denken und fühlen wie Valerie de Ville, ein kurzer Augenblick zum Innehalten und Rückbesinnen auf Alles, was sich noch nicht in barer Münze ausgezahlt hat ...

EIN GUTES NEUES JAHR!

Eulenspiegel wünscht seinen Sammlern ein erfolg- und erntereiches Jahr 2015!